Baumwipfelpfad


Bayerischer Wald
Ein Ufo im Nationalpark
Urlaub in Deutschland liegt im Trend, davon profitiert auch der Nationalpark Bayerischer Wald. Im Jubiläumsjahr soll eine Reihe attraktiver Neuheiten für noch größeren Zuspruch sorgen, allen voran das 44 Meter hohe "Turm-Ei" des neuen weltlängsten Baumwipfelpfads.
2010 feierte der Nationalpark Bayerischer Wald seinen 40. Geburtstag. Damit ist er Deutschlands ältester Nationalpark, alle anderen 13 – von der Eifel bis zum Wattenmeer – sind jünger. Und in der Vergangenheit weniger umstritten gewesen. Die größte Midlife Crisis scheint der größte deutsche Waldnationalpark indessen überstanden zu haben. Die erlebte er, als es 1997 um die Erweiterung des Originalgebiets um zusätzliche 11.000 auf die aktuellen 24.250 Hektar ging. Damals kochten die Emotionen der Bevölkerung noch einmal richtig hoch – bis hin zur Sinnfrage. Der ganz große Sturm hat sich gelegt und selbst wenn es zwischen Grafenau, Zwiesel und Bayerisch Eisenstein auch heutzutage noch etliche Kritiker des Nationalparkprinzips "Natur Natur sein lassen" gibt, sind die positiven Effekte wie zurückgekehrte Tiere, Pflanzen und Pilze sowie gestiegene Übernachtungszahlen naturbegeisterter Urlauber nicht zu leugnen.
Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums sollen etliche "Geschenke" diese Entwicklung noch weiter befeuern. So investiert man kräftig in die Modernisierung des Infozentrums Hans-Eisenmann-Haus und mit einem neuen Elchgehege in das benachbarte Tierfreigelände, seit jeher ein echter Besuchermagnet in der Region. Im Waldgeschichtlichen Museum in St. Oswald sind ebenso Neuerungen geplant wie im Wildniscamp in Zwieslerwaldhaus. Eines der schönsten Geburtstagsgeschenke gab es jedoch schon im vergangenen Jahr: In Neuschönau wurde der mit 1.300 Metern weltlängste Baumwipfelpfad samt imposanten "Turm-Ei", einer Art hölzernen Reichstagskuppel, eröffnet. Hier kann man sogar mit Rollstuhl oder Kinderwagen in 44 Meter Höhe zwischen den Baumwipfeln umherwandern und einen Großteil des Nationalparks überblicken.
Die Resonanz ist überwältigend. In weniger als einem halben Jahr kamen bereits über 100.000 Besucher – und das wohlgemerkt im besucherschwachen Winterhalbjahr. Einer der Väter des Erfolges des 3,2 Millionen Euro teuren Prestigeobjekts dürfte die gelungene Kombination aus greifbarer Natur und ungreifbarer Weitsicht sein. Und die Tatsache, dass der Baumwipfelpfad die verschiedensten Gruppen anspricht. Er befriedigt die Naturfreaks – überdies mit sechs Didaktikstationen am Pfadesrand – ebenso wie die Sonntagsausflügler. Und genauso aber auch Architekturbegeisterte, denn das in gewisser Weise an die Reichstagskuppel erinnernde, hölzerne "Turm-Ei" des Architekten Josef Stöger ist wahrlich einzigartig und wird es vermutlich schon bald zum Exkursionsziel entsprechender Studenten schaffen. Und Actionfans mit dem Hang zum Thrill kommen ebenfalls zum Zug. Optional nutzbare Seil- und Wackelbrücken, Trapeze und Balancierbalken stellen genau das richtige Alternativangebot für diejenigen dar, denen der breite Weg zu langweilig erscheint.
Gegen die touristische Langeweile kämpfen noch etliche andere Projekte in der Region: 2005 wurde das "Haus zur Wildnis" in Ludwigsthal bei Zwiesel eingeweiht, mit moderner Museumsdidaktik und einem 4-D-Riechkino ausgestattet. Das Glasmuseum in Frauenau, auch erst vor wenigen Jahren eröffnet, präsentiert sich ebenfalls in ansprechender Weise. Und unter der Schirmherrschaft von "Tierisch Wild" arbeiten kleine und größere Orte auf beiden Seiten der bayerisch-böhmischen Landesgrenze immer intensiver zusammen und organisieren auch 2010 wieder gemeinsame Aktionen. Wer weiß, vielleicht beschleunigt ja der Schwung des Baumwipfelpfad-Erfolgs das eine oder andere Vorhaben? Angeblich soll ja in letzter Zeit die Idee eines neuen Hotels im gehobenen Sektor, von dem weit und breit keines existiert, massiv wiederbelebt worden sein. Als möglicher Standort ist – na klar – ein Platz ganz in der Nähe des Baumwipfelpfads im Gespräch.
10.05.10
Christian Haas
Mehr über den Nationalpark Bayerischer Wald bei Sehnsuchtdeutschland.com
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