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Zu Gast in Garmisch-Partenkirchen
Endlich im Aufbruch
Wenn die Sonne in aller Frühe ihre Strahlen über die weißen Teppiche schickt, die sich zwischen dem Nadelbäumen fast bis in den Ort schlängeln, überkommt einen sofort die Lust. Hinein in den Schnee! Hinauf auf die Gipfel und die Piste hinunter! Nur: welche nehmen? Den Hausberg, die Gudibahn oder gleich das Zugspitzblatt? Zu keinem der Skihänge in Garmisch-Partenkirchen ist es weit. Im Gegenteil: Hier beginnen die Pisten – und nicht nur eine – quasi vor der Haustür.
Garmisch und Partenkirchen. Eine Gemeinde im Doppelpack, zwangsverheiratet für die Olympischen Spiele von 1936, Markt und nicht Stadt und trotzdem mit kleinstädtischem Flair. Die 27.000-Seelen-Gemeinde könnte das Kitzbühel Deutschenlands sein – und ist es glücklicherweise (noch) nicht. Als Hausberge Münchens wird das Garmischer Skigebiet gerne bezeichnet. Schließlich liegt es nur 90 Kilometer südlich der bayerischen Landeshauptstadt, und das ist für die skifahrbegeisterten Münchner wirklich nur ein Katzensprung. Und es führt in ein Wintersportgebiet, das anspruchvolle Alpin-Pisten – und mehr – zu bieten hat. Nicht nur, dass hier vom 7. bis 20. Februar die FIS-Ski-Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Die Gemeinde kämpft auch gemeinsam mit München und Berchtesgaden um die Olympischen Winterspiele 2018.
Während die Bewerbung für Olympia die Bevölkerung eher teilt als eint, freut sich die Mehrheit auf die Ski-WM. Im WM-Pavillon, einem Kubus aus groben Holzbalken, der mitten in Garmischs Fußgängerzone um eine riesige Kastanie herumgebaut wurde, gibt es Kunst, Information und Tickets. Eine ältere Dame mit schickem Wintermantel und modischen grauen Haaren möchte unbedingt bei einem Rennen live dabei sein und bemüht sich um eine Vorzugskarte für Einheimische. "Schließlich gehöre ich als Grainauerin ja auch dazu", erklärt sie.
Es herrscht Aufbruchstimmung
Lange Jahre lag der beliebte Ferienort in einer Art Dornröschenschlaf. Die Gäste kamen eh nach Garmisch - oder Ga-Pa, wie man es neuerdings nennen will, damit Partenkirchen nicht immer unterschlagen wird. Man musste sich kaum bemühen. Doch inzwischen holt der Ort auf, will noch attraktiver und auch ein bisschen moderner werden. Die außergewöhnlichen Luxushotels Das Kranzbach und Schloss Elmau sind längst Magneten– nur einige Kilometer entfernt. Zudem gibt es neben dem 5-Sterne-Traditionshaus Reindl’s Partenkirchener Hof das neu eröffnete Atlas Grandhotel in der Partenkirchener Ludwigstraße – das noble Grandhotel Sonnenbichl wird gerade generalüberholt. Im 20 Kilometer entfernten Mittenwald hat ein Koch der Generation "Jeunes Restaurateurs d’Europe". Das Marktrestaurant mit moderner Alpenküche vom Feinsten eröffnet. Dem setzt Garmisch die Gourmetküche Akram’s vom ehemaligen und TV bekannten Zugspitzkoch Mohammed Akram aus Pakistan entgegen.
Was die Natur betrifft, könnte es der liebe Gott – und die Bayern denken noch häufig an ihn – jedenfalls gar nicht netter gemeint haben. Ob Osterfeldkopf (2050 Meter) oder Alpspitze (2628 Meter), Kreuzeck (1651 Meter), Hausberg (1340 Meter) oder natürlich DER Berg Deutschlands, die Zugspitze mit fast 3000 Metern: diese grandiosen Berge erheben sich im Süden Garmisch-Partenkirchens, die Orte liegen ihnen direkt zu Füßen. Für die Skipisten an den Nordhängen bedeutet dies glücklicherweise beste Schneeverhältnisse. Schneefreuden von Ende November/Anfang Dezember bis Anfang Mai sind hier keine Seltenheit.
Nicht die perfekte Welle, sondern den perfekten Schwung über die perfekten Pisten zur perfekten Zeit in seiner Skiheimat weiß deswegen Christian Neureuther zu ziehen. Die Skilegende und der Ehemann "unserer Gold-Rosi" Rosi Mittermeier, hat hier als Fünfjähriger seine ersten Schwünge in den Schnee geschrieben. Er kennt sein Revier: die erste Sonne vom Osterfeldkopf zur Hochalm hin genießen, später auf die ruhigere Kochelbergabfahrt ausweichen, um dort einen Einkehrschwung in der schönen Drehmöser Hütte zu machen. Aber wenn sich zur Mittagszeit die meisten in und vor den Hütten tummeln, ist das Kreuzeckgebiet super befahrbar. Der frühe Nachmittag ist die beste Zeit für die berühmte Kandahar-Abfahrt. Die Abfahrtstrecke ist eine der steilsten und anspruchvollsten Pisten im alpinen Skirennen. Doch bekommt auch der geübte Skifahrer zittrige Knie, wenn er den "Freien Fall" hinunterkurvt. Den Après-Ski in der Café-Bar Kandahar hat man sich dann redlich verdient.
Seite 2: Geschäftiges Garmisch, beschauliches Partenkirchen
15.01.11
Birgitt Hölzel für Sehnsucht Deutschland
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