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Kulturhauptstadt 2011: junges Tallinn
Mit dem Licht tanzen
Tallinn ist die älteste Hauptstadt Nordeuropas, aber wenn es um die Lebensart geht, gehört die zugegeben eher kleine City zu den lebendigsten, jüngsten Metropolen. In Feierlaune ist die Kulturhauptstadt Europas 2011 ganz besonders in den Sommermonaten, in denen die Tage nicht enden wollen, weil die Nächte nicht richtig dunkel werden. Dann erfüllen Lachen und Musik die verwinkelten Gassen und Innenhöfe der mittelalterlichen Altstadt rund um die Uhr. Denn Öffnungszeiten bis 5 Uhr morgens sind normal. Kein Wunder also, dass Tallinn auf dem direkten Weg zur kleinen Kultstadt ist. Für das estnische Supermodel Carmen Kass steht das längst außer Frage. Die vielen Clubs mit Live-Acts, unzähligen Restaurants mit junger nordischer Küche (baltischer Hering zart wie Edelfisch!), Cafés, Shops und traditionelles Handwerk ohne Global-Gleichmacherei.
Keramik, Glas, wunderschöne Holzarbeiten, Stricksachen, Ethno-Stoffe und Schmuck findet man besonders in Vanalinn, der Altstadt. Rein in die Hinterhöfe, um die Geschäfte, heimeligen Bistros und süßen Cafés wie Chocolats de Pierre, Vene 6, zu entdecken, über buckelige Steintreppen runter in Mini-Galerien, allesamt Schatzkästchen für gutes Design. Wieder ein paar Steinstufen rauf in alte Stuben, die sich dann als angesagtes Wein-Restaurant zeigen wie das La Bottega, Vene 4.
Spannende Kontraste bestimmen die 400.000-Einwohner-Metropole überall: hier das alte Zentrum der Hansestadt, ein UNESCO-Kulturerbe, mit hohen Kaufmannshäusern, dem gotischen Rathaus und Marktplatz, dort Avantgarde-Architektur wie das Kumu Art Museum oder das Rotermannviertel als ultramodernes Kommerz- und Kulturzentrum. Die Ostsee schickt eine Brise von vorn, im Rücken liegt der Domberg samt Schloss und herrschaftlichen Patrizierhäusern, in denen heute Botschaften und Ministerien residieren. Auf Schritt und Tritt – und alles zu Fuß machbar – alte Kulturschätze neben einer jungen Kunst-, Mode- und Universitätsszene.
Anfang 2011 hat Estland den Euro eingeführt. Trotz dessen Krise wurde er begeistert begrüßt, denn vielleicht ist niemand so begeistert Europäer wie der junge Este mit seiner uralten Geschichte – inklusive lang ersehnter Loslösung 1991 von der Sowjetunion. Über alles kann man in einem alten Bierkeller wie der Olde Hansa diskutieren oder im schicken Spa des Altstadt-Hotels Telegraaf, wo man sich den Luxus von fünf Sternen noch gut leisten kann.
27.07.11
Barbara Kraus
Mehr über Tallinn, die Kulturhauptstadt 2011, bei Reisebuch.de
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