Christian HaasIrland per Planwagen Teil 2
Grüne Insel mit 1 PS
Eine Tour mit dem Pferdewagen bringt den Reisenden nicht nur die Natur und die Tiere näher, sondern auch die Einheimischen.
Teil 2 der Reise
Und Abwechslung genießen auch die Reisenden – denn der Nachmittag und Abend steht immer zur freien Verfügung. Sean hat Recht, wenn er sagt: "Wir haben die ruhigsten Strecken durch das ohnehin sehr ruhige County zusammengestellt und nicht nur auf eine unterschiedliche Lagerzusammenstellung geachtet, sondern auch auf abwechslungsreiche Landschaft und nette Aktivitäten am Wegesrand." So schauen wir uns zum Beispiel Ballintubber Abbey an, eine der bedeutendsten historischen Stätten des christlichen Irland. Auf dem Lough Carra mieten wir uns ein Ruderboot, bei der Burriscarra Abbey lockt ein spannender Erkundungsweg zu einer Ruine, in Bloomfield ein Radausflug ins kleine Örtchen Hollymount und (weil es dort keinen Geldautomaten gibt) weiter nach Roundfort. Am fünften und letzten Schlafplatz, einem aufgegebenen Hof im Moor, wo wir ganz für uns allein sind, entzünden wir in der Halle sogar ein Lagerfeuer. Das dient indessen nicht nur der Trocknung der Klamotten, sondern vor allem der Cowboyatmosphäre. Der Griff zu Jameson und Gitarre ist da die logische Konsequenz.
Lagerfeuer, Gitarre, Pferde. Dazu neun Quadratmeter für vier Personen, ausklappbare Holzbetten, die sich garantiert beim Ausziehen verklemmen und keine Wärmequelle – außer dem Gasherd, dessen winzige Ofenluke tatsächlich für gelegentliche Socken-Trocknungen missbraucht wird: Das klingt nicht nur nach Abenteuer, das ist Abenteuer. Mit Komfort hat das wenig bis nichts zu tun, dafür mit Freiheitsgefühl und starker Naturverbundenheit. Als wir so durch die einsamen Moore und Felder ziehen und zu viert auf dem Kutschbock stehen und sitzen, stimmen wir nicht selten ein Lied an. Der Lieblingshit: "Faulsein ist wunderschön, viiiehil schöner als der Fleiß. Dieeehie Luft ist blau, deeer Wald ist grün, und der kleine Onkel, der ist weiß." An dieser Stelle ersetzen die Mädchen natürlich den Namen "kleiner Onkel" durch "Fergus".
Faul sein, nicht schnell sein, das ist es, was begeistert. Und wir haben das Gefühl, drei bis vier Stundenkilometer seien tatsächlich die ideale Reisegeschwindigkeit. Ideal, um die grünen Wiesen, Torfhügel, Seen und sanften Hügel anzusehen. Die Natur ist ohnehin großes Thema auf dieser Reise, die sich aber nicht nur umwelt-, sondern auch sozialverträglich gestaltet. Sozialverträglich? Ist es sonst oft ein Balanceakt, Bedürfnisse von Erwachsenen sowie einer Vier- und einer vorpubertären 11-Jährigen im Urlaub unter einen Hut zu bekommen, herrscht bei dieser Art des Reisens ungewohnte Einigkeit. Hier findet jeder die Nische, die er braucht. Aktiv: am Kutschbock. Passiv: im Inneren des Wagens, den man auch während der Fahrt zum Schlafen, Lesen oder Kartenspielen am Tisch nutzen kann. Wer Ansprache sucht, findet sie fast immer bei den Pferden. Oder bei den anderen Mitfahrern, mit der es rasch zu einer eingeschworenen Gemeinschaft kommt und mit der man am Feuer, im Pub oder vor den Planwägen die Erlebnisse des Tages, vom plötzlichen Lostraben am Hang über ungewollte Irrwege, aufarbeiten kann. Wie prophezeite Thomas doch am ersten Abend? "Either you’ll love it or you’ll hate it." We loved it.
Weitere Informationen:
Mayo Horsedrawn Caravan Holidays Ltd, Belcarra, Castlebar, County Mayo,
Tel. +353/94/9032054, www.horsedrawncaravan.com
Kosten: Anf. Mai-Anf. Juli und Ende Aug.-Anf. Sept. 720 Euro pro Woche (plus 5x Stellgebühren bei den jeweiligen Vermietern), in der Hochsaison dazwischen 930 Euro. Start jeweils samstags (4-Tage-Touren auch Mittwoch).
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19.07.10
Christian Haas
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