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Hotel-Tipp: Castello di Spessa, Italien
Genuss à la Casanova
Im Nordosten Italiens nahe der slowenischen Grenze ist der Tourismus bislang weniger stark als in der fernen Hauptstadt oder den Besucherzentren Venedig und Rimini. Während in der Lagunenstadt die Gondeln in Scharen über die Canales schippern und an der Adriaküste im Sommer am Strand kaum noch Platz für ein einzelnes Handtuch frei ist, ist es in Friaul angenehm ruhig.
Unweit der Gemeinde Cormòns thront – mitten im Weinanbaugebiet des Collio – auf einem sanften Hügel das "Castello di Spessa". Das zum Hotel umgebaute Schlösschen ist voller Tradition. Die Ursprünge des Anwesens gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück; der prominenteste Bewohner aber kam erstmals im Jahr 1773 auf das Schloss. Es war niemand Geringerer als der weltberühmte Frauenheld Giacomo Casanova , der auf der Burg Station machte, um unter anderem seine Memoiren ("Geschichte meines Lebens") niederzuschreiben.
Tradition genießen
Casanova war – das ist sicher – ein Genießer. Kein Wunder also, dass er sich im heutigen Friaul Julisch Venetien schnell heimisch fühlte. Im Collio, wo die Ausläufer der Dolomiten nur noch kleine Hügel sind und das Klima die Vorzüge mediterraner Trockenheit mit den fruchtbaren Böden des Alpenvorlands verbindet, bietet die Natur beste Voraussetzungen für einen vollmundigen Wein. Seit Jahrhunderten werden in der Region Trauben angebaut, die vorhandene Tradition und Expertise der Friulaner findet den Weg in jede Flasche.
Ob Rot oder Weiß, Sauvignon, Merlot, Pinot Nero oder Bianco, die hauseigenen Weinberge bieten neben dem lokalen, weißen Friulano ein weites Sortiment verschiedener Traubenarten an. Schon Casanova berichtete von der "außergewöhnlichen Qualität" der Weine, die urkundlich erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt werden.
Genussmittel italienischer Art
Mit weiteren Genussmitteln neben dem Wein lockt die lokale Küche. Vor allem der Schinken ist eine anerkannte Spezialität. Jenseits Italiens genießt vor allem der Schinken aus Parma einen besonderen Ruf, doch der Friulanische steht diesem in Sachen Geschmack in nichts nach. In den dem Hotel angeschlossenen Restaurants "Osteria" und "Taverna di Castello" wird natürlich regional gekocht. Es gibt Fisch aus der Adria, aber auch lokales Gemüse, eine Reihe regionaler Käse- und Fleischspezialitäten. Nach dem Essen wird üblicherweise ein vor Ort gebrannter Grappa serviert.
Auf Casanovas Spuren
Wer sich wie Casanova an historischer Stelle die Freizeit vertreiben will, der bucht eine Übernachtung im Schlosshotel. Die Zimmer sind geräumig und das Inventar wirkt wie aus den Schlafgemächern eines Grafen. Der Schlossgarten gibt einen Einblick in das Leben des Giacomo Casanova: Kleine Tafeln erklären seine Weisheiten. Diese drehen sich – natürlich – vor allem um Gefühle und Frauen, aber auch um Freundschaft und Genuss. Diese traditionellen Werte sind nur einer der Gründe, warum das Schloss gerne für Hochzeiten gebucht wird.
Unterwegs im Umland
Spaziergänge durch die Weinberge, ein Rundgang durch das Schloss und ein Besuch des riesigen Weinkellers unterhalb der Schlossmauern sind Pflicht. Andere Aktivitäten bieten der zum Castello gehörige Golfplatz und die radfahrfreundliche Gegend mit seinen sanften Hügeln. Ohne Probleme radelt es sich ins idyllische Görz (Gorizia), und von dort sind nur noch wenige Minuten nach Slowenien. Durch die Weinberge geht es zurück zum Schloss. Wer länger verweilt, für den bieten sich auch Ausflüge nach Udine, Triest, zu den Ausgrabungsstätten Aquilejas oder zur Lagune von Grado an. Alle Ziele sind mit dem Auto in weit weniger als einer Stunde erreichbar.
La Boatina
Eine weitere Übernachtungsmöglichkeit ist das Weingut "La Boatina". Nur wenige Kilometer vom Schloss entfernt gelegen – inmitten einer weiten Ebene - mutet "La Boatina" wie eine südamerikanische Hacienda an. Die Zimmer sind geräumig und elegant, die Gaststube ist rustikal-gemütlich eingerichtet. Am schönsten aber sitzt es sich auf der überdachten Veranda, die Schatten von der prallen Sonne bietet. Von grünen Pflanzen umwuchert wirkt die Veranda beinahe wie ein Wintergarten, der aber genug Sicht lässt. Und während der Blick über die große Rasenfläche des Anwesens schweift, werden wieder schmackhafte Schinken und Käse der Region aufgetischt.
Mehr Infos: Castello di Spessa, Via die Spessa 1 , 34070 Capriva del Fruili, Italien, www.castellodispessa.it
Anreise: Mit dem Auto gelangt man über den Brenner oder die Tauernautobahn und die Achse Villach-Tarvisio- Udine ins Friaul. Mit dem Flieger reist es sich aus München mit Air Dolomiti vier Mal pro Tag entspannt über den Flughafen Ronchi die Legionari (Triest) an.
02.06.11
Dirk Fries
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