Roland Aust


Durch Amsterdam mit Wouter Hamel
Hamels geheimes Amsterdam
Die Grachten, Van Gogh- und Rijksmuseum, Vondelpark, Red Light District, Rembrandthaus oder das Anne-Frank-Haus – Amsterdam ist rappelvoll mit Sehenswürdigkeiten. Doch was tun, wenn einem der Tourismusrummel zu viel wird und man einfach mal keinem Radfahrer oder Moped auf der Brücke ausweichen will? Der niederländische Musiker Wouter Hamel, der seit "Nobody’s Tune" auch deutschen Freunden des Jazz-Pop ein Begriff ist, zeigt ein ganz anderes Amsterdam, und zwar, wo man es so gar nicht vermutet.
Unromantischer Start
Bereits der Treffpunkt erscheint etwas dubios. Wouter Hamel hat vorgeschlagen, sich vor dem Aufnahmestudio zu treffen, in dem sein zweites Album "Nobody's Tune" entstanden ist. Dieses liegt allerdings nicht, wie man vermuten könnte, romantisch an einer Amsterdamer Gracht, vielleicht im Jordaan-Viertel, sondern an einer Hauptverkehrsstraße einige Hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Von hier will Wouter starten, um "sein" Amsterdam zu zeigen, in dem er seit einigen Jahren lebt und arbeitet.
Immerhin: Standesgemäß erscheint er mit dem Fahrrad, dem wichtigsten, populärsten und vor allem sinnvollsten Fortbewegungsmittel für Amsterdam. Entsprechend wird er damit später auch zu seinem Auftritt im Melkweg, Amsterdams erste Adresse für Pop- und Rock-Konzerte radeln. In den Niederlanden ist Wouter Hamel fast ein Star, Japan und Teile Asiens hat er mit seinem eleganten und leichten Jazz-Pop ebenfalls in Verzückung versetzt und auch in Deutschland gibt es seit "Nobody's Tune" eine wachsende Fangemeinde. Gerade steht sein drittes Album "Lohengrin" in den Startlöchern, die Veröffentlichung ist den Niederlanden Ende September und in Deutschland im kommenden Winter geplant.
Auf die Westelijke Eilanden
Nun denke ich, werden wir uns wieder in den Grachtengürtel begeben, doch Wouter schlägt den entgegensetzten Weg ein, es geht unter den Gleisen durch auf die Westelijke Eilanden mit den Inseln Bickerseiland, Prinseneiland und Realeneiland. Die Ruhe auf den im 16. Jahrhundert entstandenen Inseln trifft einen, nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof und der quirligen Innenstadt entfernt, völlig unerwartet: wunderschöne, tipptopp gepflegte alte Häuser, romantische Brücken, jede Menge Grün und den Grachten dümpeln liebevoll restaurierte Boote vor sich hin. Vereinzelt gibt es auch zwar auch Cafés, doch mit dem Trubel der City will man hier offensichtlich nichts zu tun haben. Amsterdam zum Verschnaufen, auch für Wouter, der vor allem nach den Aufnahmesessions hier gerne mal abschaltet. Kein Wunder, dass seine Musik oft so leicht und positiv wirkt, die Stimmung in dem Viertel dürfte sicher ihren Teil dazu beigetragen haben.
>> Weiter zu Teil 2 der Amsterdam-Tour mit Wouter Hamel
27.09.11
Roland Aust
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