iStockphotoReiseknigge: Tischmanieren
Fettnäpfchen im Restaurant
Eine Reise ins Ausland hält so manches Fettnäpfchen bereit. Gerade im Restaurant kann vieles schiefgehen: Wo platziert man Essstäbchen, wenn man sie gerade nicht braucht? Was heißt BYO? Einzeln zahlen oder lieber zusammen? Ausländische Tischmanieren zu beherrschen, erfordert Einfühlungsvermögen und eine gute Beobachtungsgabe. Wissen um die fremde Kultur und religiöse Gepflogenheiten ist ein klarer Vorteil.
Schon beim Betreten des Restaurants ergibt sich die Frage: Einfach an einen freien Tisch setzen? Was in Deutschland an der Tagesordnung steht, ist vielerorts gänzlich unüblich. So wartet der Gast u.a. in den USA, Australien, Südafrika, Kanada und Frankreich geduldig am Eingang bis ihm ein Tisch zugewiesen wird. Oft weist auch das Schild "Please wait tob e seated" darauf hin. In Asien werden außerdem auch Touristen gebeten ihr Schuhwerk am Eingang abzulegen. Das Schild "BYO" (Bring Your Own) in einigen afrikanischen und australischen Restaurants - meist ohne Ausschanklizenz – heißt nichts Anderes, als dass der Gast seinen eigenen Wein in die Gaststätte mitbringen darf - oft gegen eine kleine Gebühr.
Schwieriger wird's in exotischeren Gefilden: So wird ein Asiate ein auf Bananenblättern serviertes Curry liebevoll zu einer kleinen Kugeln formen und diese mit der rechten Hand in seinen Mund befördern. Mit rechts zu Essen ist auch in islamischen Ländern ein Muss, denn wie auch in Asien gilt die linke Hand dort generell als unrein. Ebenso verpönt ist es, jemandem oder gar einem Buddha die Fußsohlen entgegenzustrecken. Hat man das Sushiröllchen dann endlich ohne groben Fauxpas verspeist, stellt sich die Frage wohin mit den Stäbchen? Keinesfalls sollten sie aufrecht in die Reisschale gesteckt werden; das erinnert an einen Totenritus. Ebenso wenig gehören sie auf den Teller oder die Reisschale und kreuzen sollten sie sich schon gar nicht. Am besten sind sie auf dem dafür vorgesehenen Bänkchen oder der Sojasoßenschale aufgehoben. Schwierig wird es auch, sollte die Nase einmal jucken, denn Schnäuzen wird in Asien überhaupt nicht gerne gesehen. Dagegen gehören Schmatzen und Schlürfen zum guten Ton. Unangenehm kann auch der Gang zur Toilette enden: Mit den extra bereitstehenden Toilettenpantoffeln anschließend wieder am Esstisch zu erscheinen gilt als grobe Missachtung der Tischmanieren.
Ist der Magen schließlich gefüllt, gilt es diesen Zustand zunächst einmal zu kommunizieren. So werden in islamischen Ländern leere Teller immer wieder gefüllt, erhebt sich jedoch der Gastgeber vom Tisch, ist das Essen beendet. Auch in Indonesien ist es höflich, etwas auf dem Teller und im Glas zu lassen. In Hongkong hat man dieses Sättigung anzeigende Ritual durch Handzeichen vereinfacht: Die rechte Hand über dem Teller bedeutet satt, mit Mittel- und Zeigefingerspitzen auf den Tisch getippt, dass man nichts mehr zu trinken will. Standhaftigkeit ist in Korea gefragt, wo man regelrecht gegen Nachschlag kämpfen muss. In Malaysia hingegen lernen Kinder, dass der Reisgeist weint, wenn das Essen nicht vollständig verspeist ist. Um Sättigung anzuzeigen sollten hier auch Erwachsenen ihren Teller leeren, da sonst ständig nachgereicht wird.
In Sachen Rechnung kann es dann besonders für Deutsche heikel werden: Getrennt oder wie die Türken sagen: "Auf deutsche Art" zu bezahlen ist in kaum einem Land üblich. Auch das englische "Let's go Dutch" wird meist auf diese deutsche Gepflogenheit zurückgeführt, die einem jeder Kellner übel nehmen wird. Denn in den meisten Ländern wird die Rechnung zusammen beglichen und der Finanzausgleich wenn überhaupt im Nachhinein erledigt. Gleich nach dem Begleichen der Rechnung ist es in den USA Zeit für den Aufbruch. Es gilt es als unhöflich, nach dem Bezahlen noch lange herumzusitzen. Und an landestypische Gepflogenheiten sollte man sich besser halten!
29.08.11
Melanie Rottmüller
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